Die Einsiedelei (Sacro Eremo) und das Kloster von Camaldoli liegen innerhalb eines ausgedehnten Waldgebietes im Apennin an der Grenze zwischen Toskana und Romagna. Dies ist eine Landschaft von wunderbarer Schönheit, die Ruhe ausstrahlt und den Geist zur Entfaltung bringt; diese Umgebung hat die Geschichte und die spirituelle Identität von Camaldoli geprägt.
Camaldoli ist zwischen 1024 und 1025 vom hl. Romuald, einem Benediktinermönch (+1027), gegründet worden und findet seine Wurzeln in der altehrwürdigen Tradition des Mönchtums des christlichen Orients und in der Mönchstradition des Westens, die sich am hl. Benedikt und seiner Regel orientiert (5.- 6. Jh.).
Camaldoli vereint die gemeinschaftliche mit der eremitischen Dimension, die entweder im Kloster oder in der Einsiedelei gelebt wird. Die Mönche dieser beiden Lebensräume bilden eine einzige Gemeinschaft. Das traditionelle Wappen, das aus zwei Tauben besteht, die aus einem einzigen Kelch ihren Durst stillen, ist die symbolische Darstellung der 'Communio', der Gemeinsamkeit in der Verschiedenheit, die aus der Beziehung mit Gott genährt wird.
Zu diesem Beziehungsgeflecht gehört auch das Kloster von San Gregorio al Celio in Rom, das heute integrativer Bestandteil der Gemeinschaft von Camaldoli ist.
Auf Grund seiner natürlichen Berufung hat Camaldoli schon immer eine Brückenfunktion zwischen der monastichen Tradition des Ostens und des Westens ausgeübt. Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil ist es auch zu einem besonderem Ort der Begegnung für den ökumenischen und interreligiösen Dialog geworden.
Die Gemeinschaft ist ein Ort der Begegnung zwischen Judentum und Islam, zwischen Hinduismus und Buddhismus, zwischen Männern und Frauen, die offiziell keiner spezifischen Religion angehören, die aber auf ehrlicher innerer Suche sind.
Während seines pastoralen Besuches im Sacro Eremo, am 17. September 1993, hat Papst Johannes Paul II. die Mönche ermuntert, die dialogische Dimension des Mönchtums, die in fast allen religiösen Erfahrungen präsent ist, weiterzuentwickeln.
Camaldoli versteht sich als dialogorientierte und gastfreundliche Gemeinschaft. Sie entwickelt sich im Rahmen der ursprünglichen Inspiration des Hl. Romualds und nimmt, mit entschiedener Entschlossenheit, die Impulse des zweiten Vatikanischen Konzils wahr:
auf die Stimme des Geistes des Herrn hören, der die Seele eines jedes Menschen bewohnt und die Geschichte belebt
das Wort Gottes hören durch tägliches Gebet, persönliche Meditation (lectio divina) und die Liturgie
das biblische Wort und seine liturgische Feier bilden den Kern und die Quelle des persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens, der kulturellen und spirituellen Bildung des Mönches und der Dienste, die dem Gast angeboten werden
die monastische Liturgie hat, den Anweisungen des zweiten vatikanischen Konzils und dem kontemplativen Geist der monastischen Tradition folgend, eine beträchtliche Erneuerung erfahren
in einem Kontext des Gehorsams gegenüber dem Wort Gottes wird der Dialog innerhalb der Gemeinschaft gefördert, damit es zu einem Austausch der Talente und Gaben zwischen den Mitbrüdern der Gemeinschaft kommt - auch der Prior übt seinen Dienst in diesem Sinne aus
brüderliche Aufnahme der Gäste auf einem Weg der gemeinsamen spirituellen Suche
Dialog mit den eigenen geschichtlichen und geistlichen Wurzeln, um vitale Energie und Inspiration zu schöpfen, für eine stets neue Beziehung mit den Menschen, Kulturen und den spirituellen Erfahrungen unserer Zeit. Dies gehört zu einem Prozess der Inkulturation im Einklang mit dem evangelischen Gleichnis des Samens, der sterben muss, um Frucht zu bringen.
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